Freitag, 14. Januar 2011

Der Amtsschimmel und die Katzen

Wir kastrieren hier im Dorf seit zweieinhalb Jahren (also seit wir hier wohnen) jede Katze, die wir erwischen.
Als wir damals das Haus gekauft hatten, fanden wir auf dem ersten Rundgang nach dem Notartermin im Garten eine tote Katze. Wahrscheinlich verhungert oder an einer Verletzung gestorben, die eigentlich eine Lappalie gewesen wäre, wenn sich jemand darum gekümmert hätte.

Wir begruben sie und ich habe damals geschworen, dass es hier keine hungernden Katzen mehr geben wird.
Eine Katzenfalle wurde gekauft und wir fingen an, die Wildlinge im Dorf kastrieren zu lassen.
Nachdem wir so langsam eine Vorstellung davon bekamen, wieviele wilde Katzen hier im Dorf leben, baten wir das Amt um Hilfe bei den Kosten für die Kastrationen. Die wurde uns auch zugesagt, der Amtsschimmel freute sich, dass sich endlich mal jemand kümmert und so liessen wir weiterhin Katzen kastrieren.
Bis zum Herbst, als uns unsere Tierärztin sagte, sie hätte vom Amt die Anweisung bekommen, keine Rechnungen mehr für Wildlinge einreichen zu dürfen.

Ich rief auf dem Amt an und der nette Herr XY erzählte mir, jaaaaa, es würde natürlich weiterhin kastriert werden, aber nur noch von der offiziellen Katzenhilfe aus der Kreisstadt und nicht mehr von uns Privatleuten. Auch nicht mehr vom Tierheim, denen hätte er auch gleich die Zuschüsse gestrichen, sondern ausschliesslich von der Katzenhilfe. Die hätten jetzt sozusagen das Kastrations-Monopol für die Kostenübernahme von der Gemeinde.
Aha. Das Tierheim guckte dumm aus der Wäsche, wir guckten dumm aus der Wäsche und die Katzenhilfe liess sich hier nicht blicken. Toll.

Ich redete auf den Herren ein wie auf ein krankes Pferd, mein Mann ebenso. Wir erklärten ihm, dass die bisherigen Kastrationen für die Wurscht wären, wenn hier nicht weiter gemacht werden würde, dass die Katzenpopulation bald explodieren würde, dass irgendwann Krankheiten kämen und die dann nicht nur die Wildlinge, sondern auch Hauskatzen mit Freigang betreffen würden und dass die Katzenhilfe, trotz mehrfacher Bitten uns zu helfen, sich noch nie in diesem Dorf hatte blicken lassen.

Nein, sagte der Amtsschimmel, das wäre ihm alles egal, er würde keine Kosten mehr übernehmen und damit basta.

Die Leute vom Tierheim waren genauso angenervt wie wir, denn die bekamen ja ab sofort auch keine Kastrationen mehr bezahlt. Nur die Dame von der Katzenhilfe, die die Lobeshymnen im örtlichen Käseblättchen über sich selbst immer eigenhändig verfasste, die jubilierte. Denn sie hatte ja das "Kastrations-Monopol" erlangt.


Nach einigem Lamentieren und Wüten meinerseits (fragt nicht, wie ich getobt habe... ) beschlossen mein Mann und ich, dass wir das so nicht hinnehmen. Und stellten die Katzenfalle wieder auf.

Am gleichen Abend tappste eine noch unkastrierte Katze in die Falle. Am nächsten Morgen fuhr ich mit der Katze im Kennel zum Amt. Die Türe zum Zimmer des betreffenden Amtsschimmels stand offen und er sass an seinem Schreibtisch und las. Da der Schreibtisch zwischen uns stand, sah er nicht, dass ich einen Kennel in der Hand trug.
Ich: "Guten Tag, Herr XY, ich bin die Frau Balli, wir kennen uns ja schon vom Telefon"
Er: "Ah, guten Tag Frau Balli, jetzt lernen wir uns also auch mal persönlich kennen!"
Ich: "Ja, und dieser Mietze können Sie sich auch gleich vorstellen! Sie ist unkastriert, hat eventuell eine verletzte Kralle und ich habe sie in meinem Garten ge-fun-den *zwinker-zwinker* und Sie sind von Amts wegen für Fundtiere zuständig und müssen sich um sie kümmern, sonst machen Sie sich strafbar."
Mit diesen Worten stellte ich dann den Kennel mit der Katze drin auf seinen Schreibtisch.



Ich schwöre, noch nie im Leben habe ich ein dümmer dreinschauendes Gesicht gesehen :D
"Einen Schönen Tag dann noch, Herr XY, auf Wiedersehen" und weg war ich. Vom Parkplatz aus konnte ich sehen, wie einige seiner Kollegen in sein Zimmer gelaufen kamen und alle standen um den Kennel auf dem Schreibtisch herum. Ich winkte nochmal freundlich und fuhr nach Hause.

Kaum war ich wieder hier, klingelte das Telefon. Der Herr Amtsschimmel war dran. Er würde die Katze von der Katzenhilfe abholen und zum Tierarzt bringen lassen. Ob die Katzenhilfe mir die Katze denn morgen früh wieder zurück bringen könne, damit ich die Katze wieder laufen lassen könne? Ja, sagte ich, das wäre ganz wunderbar, so können wir das in Zukunft immer machen. Ich bringe ihm die Katzen aufs Amt und die Dame (:D) von der Katzenhilfe übernimmt dann die lästigen Fahrten zum Tierarzt und wieder zurück. Ganz, ganz ausgesprochen wunderbar fände ich diese Lösung, vielen Dank, auf Wiederhören.

Kurz darauf klingelte dann wieder das Telefon. Ob wir vielleicht.... eventuell....nicht doch die Katze morgen selbst bei ihm abholen könnten? Die Dame von der Katzenhilfe würde bocken. Sie würde die Katze vom Tierarzt abholen, aber nicht zu uns bringen wollen. Die gute Frau wäre manchmal etwas schwierig. (Ach nee, das ist ja ganz was Neues?!?)
Er, bzw. das Amt würde auch die Kosten für Kastrationen wieder übernehmen. Denn es würde ja nicht gehen, dass ständig Katzen aufs Amt gebracht würden. Ob wir denn damit einverstanden wären, wenn alles wieder so wäre wie bisher?
Klar waren wir :D

Mein Mann fuhr also am nächsten Morgen aufs Amt und machte dem Mann endgültig klar, dass mit uns, wenn es um Tiere geht, nicht gut Kirschenessen ist. Sowas kann er super, im freundlichsten Ton jemandem klar machen, dass Schluss mit lustig ist. Der Herr Amtsschimmel war dann auch sehr freundlich und seither läuft wieder alles wie gehabt. Die Katzen werden weiter kastriert, das Amt bezahlt und die Katzenhilfe-Dame schreibt weiterhin wunderschöne Artikel über ihre tierschützerischen Grosstaten und alles ist in Butter.

Die Story mit der Katze auf dem Schreibtisch hat sich blitzschnell durchs Dorf verbreitet und für einige Lacher gesorgt. Auch vom Bürgermeister und vom Gemeinderat, die absolut auf unserer Seite waren und es grossartig fanden, dass dem Herrn XY mal jemand genauso krumm kam, wie er es sonst immer tut.

Futter und sonstige medizinischen Hilfsleistungen für die Wildlinge bezahlen wir weiterhin aus eigener Tasche und das ist völlig ok so.
Wichtig wäre, dass endlich die Kastrationspflich bundesweit eingeführt wird. Die Österreicher können es auch, nur hier stellt sich die Politik quer.

Siehe z.B. hierhier, und hier gibts noch mehr darüber.

Das ist sie übrigens, die Schreibtischkatze. Kurz bevor ich sie wieder frei gelassen habe.

Kommentare:

  1. wie überprüft ihr eigentlich, ob ihr einen "Wildling" und nicht eine ganz normale Freigängerkatze mit Besitzern gefangen habt?

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  2. Wir fangen ein, was in die Falle tappt. Vorher aussortieren geht nicht. Dann gucken wir, ob die eingefangene Katze die Ohren tättowiert hat oder ein Halsband trägt oder gechipt ist. Wenn sie nicht tättowiert oder nicht gechipt ist und kein Halsband trägt, dann gehört sie auch niemandem. Jedenfalls hier nicht. Hier gibt es eh nur ganz wenige Katzenhalter, dafür um so mehr Hundehalter.
    Wer seine Katze weder tättowieren, noch chippen lässt und ihr womöglich unkastriert Freigang gewährt, dem gehört eh das Gehirn anbgebohrt. Das wäre total unverantwortungslos.

    Die von uns kastrierten Wildlinge werden gekennzeichnet, denn mit der Zeit kann man sich kaum noch merken, welche man schon gefangen hat und welche nicht.

    Hier auf dem Dorf kennt jeder jeden, wir haben erst einmal einen Freigänger erwischt, der jemandem gehörte. Kastrierter Kater, der wurde natürlich direkt wieder aus der Falle freigelassen.

    Die Bauernkatzen kennen wir alle und wissen, von welchem Hof sie kommen. Keiner der Bauern hier fühlt sich für die Katzen auf seinem Hof verantwortlich, leider.

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  3. superlol
    das bringt sonst keiner, du bist schon einmalig!

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  4. Eine Frau muss tun was eine Frau tun muss.
    :Pragmatismus:

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  5. Finde echt klasse, was du da gemacht hast!

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  6. Danke :)
    Uns blieb nichts anderes übrig...

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  7. Großartig! Meinen Respekt habt ihr! Glücklicherweise gibt es bei uns in der Stadt so gut wie keine freilaufenden Katzen, und diejenigen wenigen, die hier herumlaufen sind recht offensichtlich (gut gepflegt, Halsband, etc) Freigänger. Auf dem Land ist das sicherlich schlimmer :/

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  8. Ja, auf dem Land herrschen teilweise absolut katastrophale Zustände :/

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